Samstag, 11. August 2018

Jan Ullrich und das Escortgirl

Jan Ullrich ist ein Ex-Radprofi aus Rostock. 1997 hat er die Tour de France gewonnen. Nach einem Doping-Skandal wurde er 2006 von der Tour de France ausgeschlossen. 2012 wurde Jan Ullrich vom Internationalen Sportgerichtshof in letzter Instanz des Dopings für schuldig gesprochen. Seine Erfolge nach 2005 wurden annulliert. Ich schreibe das, damit man sich ein Bild von Ullrich machen kann. 

Jan Ullrich würgt ein Escortgirl


Zuletzt war Ullrich in den Schlagzeilen, weil sein Nachbar auf Mallorca, Til Schweiger, von Ullrichs Drogenkonsum berichtet hatte. Ullrich flog mit einem Privatjet nach Deutschland, um sich einer Therapie zu unterziehen, so hieß es. Seinen Kindern zuliebe. Von seiner Frau und den beiden Kindern ist er seit einigen Monaten getrennt. Warum, wird nun klar. Jan Ullrich soll im Frankfurter 5-Sterne-Nobelhotel Villa Kennedy ein 31jährige Escortdame so sehr gewürgt haben, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Angeblich war er mit ihrer Leistung nicht zufrieden. Die Frau konnte sich vor dem Würger retten, alarmierte das Hotelpersonal und bat darum, die Polizei zu rufen. 

Man muss kein Escort-Experte sein, um zu wissen, dass man als Escort nur dann die Polizei einschaltet, wenn es gar nicht mehr anders geht. Denn nichts ist in diesem Business so wichtig wie Diskretion. Da ich selbst schon von einem Kunden gewürgt worden bin und mich daraufhin in einer Selbsthilfegruppe begeben musste, weil ich unter Albträumen litt, weiß ich, was die Frau jetzt durchmacht. Ich bin schockiert, dass ich in den Medien höre: Ach herrje, der arme Kerl. Man muss ihm helfen. Er wusste nicht, was er tat, er stand ja unter Drogen. 

Die Escortlady musste medizinisch versorgt werden


Die Staatsanwaltschaft scheint das ähnlich zu sehen, denn Jan Ullrich ist wieder auf freiem Fuß. Und das, obwohl er bei seiner Festnahme Widerstand geleistet hat. Und obwohl die Frau verletzt war und medizinisch versorgt werden musste. Schon erstaunlich. Ob da der Promifaktor eine Rolle spielt? Vor dem Gesetz sind doch alle gleich, oder etwa nicht?

Jedenfalls ärgert er mich, dass ehemalige Weggefährten von Ullrich sich zu Wort melden und den 44jährigen als Opfer darstellen. Der Radsportverband ist schuld. Die Umstände sind schuld. Die Drogen sind schuld. Der Alkohol ist schuld. Nur einer ist nicht schuld: nämlich Jan Ullrich. 

Von der verletzten Frau ist keine Rede. Die hat wohl einfach Pech gehabt. 

Es ist wirklich schlimm, dass es unter den Reichen Menschen gibt, die glauben, unantastbar zu sein. Ich hoffe, dass der Fall aufgeklärt wird und – sollte denn wirklich alles so gewesen sein – der Ex-Radstar seine gerechte Strafe bekommt. Es kann doch nicht sein, dass man Frauen würgen darf ohne dafür bestraft zu werden. Oder sehe ich da was falsch?

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